Bericht vom 37. TSW Transport vom 20.07 - 22.07.2001

 
   
  Ziel: Zeravac
Güter: {Güter}
 
   
  Am Freitag, den 20.07.2001 können wir ohne Verzögerungen in München mit vier LKW aufbrechen. Zwei Fahrzeuge sind bereits am frühen Nachmittag aus Berlin in München eingetroffen. Bei diesem Transport werden wir von zwei Studentinnen der Münchner Fotoakademie begleitet, die über unsere Arbeit eine Bilddokumentation machen wollen. Wir hoffen diesbezüglich auf positive Resonanz und vielleicht auch auf einen gewissen Werbeeffekt. Unsere Ladung besteht diesmal zu einem großen Teil aus Kleinmöbeln und Arbeitsgerät, aber auch aus gut sortierter und verpackter Kleidung sowie gebrauchten Kühlschränken und Öfen. Bestimmungsort ist wieder Zeravac in Bosnien. Wir wollen aber auch die Nachbarorte Visnjik und Velika direkt mit jeweils einem LKW anfahren. Dies ist seit dem letzten Transport im Februar von uns so vorgesehen, da es damals Schwierigkeiten bei der Verteilung an einem zentralen Ort zwischen den verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen gab. Unser Anliegen ist es allerdings nach wie vor, alle Gruppen bei der Verteilung der Güter zu berücksichtigen. Die Fahrt über Salzburg, Graz, Maribor verläuft ohne Zwischenfälle. Die Wartezeiten an den Grenzstationen halten sich in erträglichem Rahmen, obwohl wir nach einigem Hin und Her an der kroatischen Grenze eine Kaution hinterlegen müssen, da uns eine Garantieerklärung des Empfängers fehlt. Eine nennenswerte Verzögerung gibt es erst an der Fähre bei Svilaj aufgrund eben dieser Garantieerklärung. Leider ist auch Pater Fra Anto oder Barbara Hundhammer nicht anwesend, um die Formalitäten zu klären. Endlich trifft ein Mitarbeiter von Fra Anto ein, der den Missstand aufklären kann und wir können die Grenze an der Save zwischen Kroatien und Bosnien passieren. Zu unserer Verwunderung lotst uns dieser Mitarbeiter über sehr entlegene, teils nicht befestigte Nebenstraßen über die Berge. Dies ist angesichts der schweren Fahrzeuge und des nicht enden wollenden Dauerregens kein Vergnügen. Wir wundern uns umso mehr, je länger diese Fahrt dauert. Schließlich kennen wir ja die Route von der Grenze bzw. Fähre bei Svilaj auf der Hauptstraße über Bosanski Brod nach Zeravac von unseren vergangenen Fahrten. Wir treffen dann mit allen vier LKW im kroatisch-bosnischen Dorf Visnjik ein. Ein Umstand, den wir eigentlich seit dem letzten Transport vermeiden wollten. Wir wären lieber direkt zu den anderen Orten mit den für diese bestimmten LKW gefahren, damit kein Verteilungskampf entsteht. So müssen wir vermeiden, dass alle LKW vor Ort entladen werden. Außerdem wollten wir noch an einem neutralen Ort einige Güter zwischen den verschiedenen LKW umladen, um eine gleichmäßige Verteilung der Ware zu gewährleisten. Dies alles ist natürlich in dieser Situation etwas schwieriger, es endet aber nicht so konfus wie beim letzten Mal, als einige Leute aus Angst, nichts zu bekommen, einfach unkontrolliert Hilfsgüter an sich nahmen. Dies kann letztendlich dann doch vermieden werden ein LKW fährt wie geplant weiter ins moslemische Dorf Velika, um dort zu entladen. Es ist schon spät am Abend, als wir unser Nachtquartier im Kirchenzentrum in Zeravac beziehen, da sich auf dem Rückweg von Velika noch ein Fahrzeug auf den nächtlichen, nicht beschilderten Straßen verfährt. Wir sind wieder in einem der Holzhäuser der Organisation „Bauern helfen Bauern“, die hinter dem Gemeindehaus aufgestellt sind, untergebracht. Der Dauerregen hält noch die ganze Nacht an. Am nächsten morgen können wir uns in Zeravac ein wenig umsehen. Nach wie vor ist ein großer Teil der Häuser und Höfe in dieser Gegend zerstört und verlassen. Doch auch an zahlreichen Gebäuden wird gebaut und renoviert, ein Zeichen, dass vom Krieg vertriebene Menschen in diese Region zurückkehren und einen Neuanfang wagen. Das Gemeindehaus in Zeravac soll ebenfalls wieder instandgesetzt werden. Diverses Baumaterial lagert schon vor dem Gebäude. Die Kirche selbst existiert allerdings nicht mehr. Sie wurde im Krieg gesprengt. Auf den ehemaligen Fundamenten steht seit geraumer Zeit nur noch eine kleine Holzkapelle, in der jetzt die Gottesdienste abgehalten werden. Der Mangel an allen Dingen des täglichen Lebens ist noch überall erkennbar. Außer der Landwirtschaft in bescheidenem Maße gibt es kaum Beschäftigungsmöglichkeiten für die Menschen. Wir wollen weiterhin versuchen, mit unserer Hilfe einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände zu leisten. Es wird zwar immer wieder angeregt, auch personen- bzw familienbezogene Hilfe zu leisten, doch das ist uns aus logistischen Gründen kaum möglich. Wir werden jedoch versuchen, die Verteilung nach verschiedenen Orten und ethnischen Gruppen zu optimieren. Nach einem reichhaltigen Frühstück zusammen mit Fra Anto und Barbara Hundhammer und einigen informativen Gesprächen brechen die beiden LKW aus München bzw. Ingolstadt die Heimreise an. Da an der Brücke zwischen Bosanski-Brod und Slavonski-Brod mit längerer Wartezeit zu rechnen ist, nehmen wir wieder den Umweg über die Fähre in Svilaj. (Allerdings nicht diese kuriose Abkürzung über zugewachsene Schotterpisten). Hier gibt es keine Wartezeiten und wir kommen zügig voran. Die Mitarbeiter aus Berlin können die verbleibende Zeit noch ein wenig nutzen, weitere Informationen zu sammeln und sich umzusehen. Sie fahren dann auf direktem Wege (über Linz/Passau zurück nach Berlin. So kann dieser Transport erfolgreich abgeschlossen werden, auch wenn das eine oder andere Problem eingetreten ist. Im Großen und Ganzen konnten wir das Konzept, die Ware in die verschiedenen Orte zu bringen, das während unserer Informationsfahrt im vergangenen April erstellt wurde, realisieren.