Bericht vom 35. TSW Transport vom 04.08 - 08.08.2002

 
   
  Zeravac  
   
  Die Hinfahrt nach Zeravac verlief ohne große Probleme. Dank der Caritas-Papiere blieb uns auch ein großer Teil der Mautgebühren in Slowenien und Kroatien erspart. Von München starteten 3 LKWs. Dabei waren Mülli, der große Weigart mit Hänger und der neue PANA. An der Grenze zu Slowenien trafen wir Hans und Victoria mit ihrem Sattelzug. Es war relativ schnell klar, dass wir den vereinbarten Treffpunkt mit Barbara Hundhammer von der Caritas Zeravac an der bosnischen Grenze nicht würden einhalten können. Die Verspätung wuchs sich aus, nachdem die kroatischen Behörden wohl beschlossen hatten, die Grenze in die Srpska sei nicht wichtig genug, um sie auszuschildern. Fra Anto und Barbara handelten aber mit den serbisch-bosnischen Grenzbehörden aus, dass in diesem Fall ein Zollbeamter vor Ort bleiben würde, um den Transport abzufertigen. Dies verlief auch problemlos. Schließlich erreichten wir Zeravac um ca. 17:00 Uhr. Die Anwohner wollten eigentlich zuerst unsere Ankunft mit einem Barbecue feiern und es bedurfte einiger Penetranz, um Barbara zu überzeugen, dass es sinnvoller sei, die LKWs noch am selben Tag abzuladen. Wir setzten uns aber doch durch. Die Unterstützung beim Abladen durch die Anwohner war diesmal mäßig, neben drei jungen Männern waren nur ältere Leute anwesend, die aber trotzdem kräftig hinlangten. So zog sich die Entladung der Fahrzeuge bis in die Nacht. Schnell war klar, dass die 39 Tonnen Hilfsgüter die Infrastruktur weit überforderte. Als noch nicht einmal die Hälfte ausgeladen war, wurde das Lager wegen †berfüllung geschlossen und der Rest musste mühsam in den Keller gebracht werden. Beim anschließenden Essen sprachen wir intensiv mit Barbara über die Modalitäten der Verteilung der Hilfsgüter. Sie sicherte uns zu, dass die Hilfe nicht an der ethnischen Zugehörigkeit festgemacht wird, auch wenn natürlich zuerst die von ihnen betreuten Kroaten versorgt würden. Wenn andere etwas wollten, wäre das aber kein Problem (Dies bestätigte auch Doraja). Auf die Frage, was besonders benötigt wird, erwähnte Fra Anto besonders Sport - und Freizeitgeräte für die Jugendlichen sowie feste Schuhe und Kleidung. Die Betrachtung von Zeravac bei Tageslicht machte deutlich, wie sehr dort Aufbauhilfe gebraucht wird. Von der Kirche stehen nur noch Ruinen und das Gemeindehaus, in dem die meisten Rückkehrer untergebracht sind, um ihre Häuser wieder aufzubauen kann man auch schlecht als etwas anderes bezeichnen. Hinter dem Gemeindehaus stehen 5 Holzhäuser, die von "Bauern helfen Bauern" (Salzburg) errichtet wurden. In ihnen wohnen alte Leute. Die Gemeinde verfügt weder über Strom noch über sanitäre Installation. Wasser kommt über einen Ziehbrunnen, die Toilette war ăbeeindruckendŇ. Für eine notdürftige Stromversorgung sorgt ein Dieselgenerator, dessen Betrieb für die ansässigen Leute wegen des hohen Verbrauchs aber sehr teuer ist. Laut Auskunft sowohl der Caritas als auch der Einheimischen sollte das Gebiet um den Gemeindeplatz minenfrei sein, eine nachträglich Anfrage bei der Bundeswehr von Peter hat das nicht bestätigt. Am Sonntag machten sich mittags Mülli und Victoria und Hans wieder auf den Heimweg. Der Rest fuhr nach Prijedor. Dies liegt ca. 1 _ bis 2 Autostunden von Zeravac entfernt ist aber von Kroatien kommend schneller zu erreichen. In Prijedor befinden sich 6 Lager mit jeweils ca. 80-120 moslemischen Rückkehrern. Diese versuchen von den Camps aus, ihre zerstörten Häuser wieder aufzubauen, verfügen aber nicht über die nötigen Sach- und Geldmittel. Ebenso leben in Prijedor ca. 200 muslimische Witwen, teils mit Kindern in Kellern, Garagen usw. Die Versorgungs- und Unterkunftslage der Bewohner ist mit einem Wort erschreckend. Die Zelte sind in einem desolaten Zustand und mit viel zu viel Menschen belegt. Die Lebensmittelversorgung ist nicht gewährleistet. Doraja hat wenigstens für einen Monat einen Bäcker bezahlt, der die Leute mit Brot versorgt. Sonst bekommen sie keine Unterstützung. Die örtliche Politik/Verwaltung der Serben behindert die muslimischen Rückkehrer zwar nicht, rührt aber auch keinen Finger für die Leute. Ebenso werden sie von keiner größeren NGO unterstützt obwohl seitens der EU/OSZE?? Gelder an diese geflossen sind. Die einzige weitere Unterstützung, die die Menschen dort erhalten ist von Verwandten aus dem Ausland, die von Zeit zu Zeit geringe Summen zur Verfügung stellen. Ansprechpartner sind Herr Kararic, zu finden im Zeltlager (spricht deutsch) und Herr Seat, Mitglied des Stadtrates von Prijedor. Die beiden waren an diesem Tag leider nicht vor Ort. Im Gespräch mit den Bewohnern eines Zeltlagers wurden wir mehrmals direkt um Hilfe gebeten. Sie brauchen dringend Unterstützung, da sie wohl auch den Winter in ihren Lagern verbringen müssen. Nachdem wir nicht wesentlich mehr tun konnten, haben wir dort nach kurzer Zeit die Heimfahrt angetreten. Auch die bosnisch-serbische Verwaltung hielt es nicht für nötig, auf den Grenzübergang nach Kroatien hinzuweisen, so dass uns auch hier ein Umweg entstand. Auf dem Rückweg mussten wir doch noch Maut entrichten. Es ist sehr wichtig, bereits beim Empfang des Tickets darauf zu achten, dass man schwarze Freischeine bekommt, da dies wohl bei der Zahlstelle nicht mehr zu korrigieren ist. Der dortige Chef vom Dienst machte uns darauf aufmerksam, dass die Mautbefreiung durch das kroatische Konsulat keinerlei bindende Wirkung für das Straßenbauunternehmen hat, und das deshalb der Antrag auf Befreiung von der Maut bei dem Unternehmen selber beantragt werden müsse (Hier ist das Schreiben von kroatischen Konsulat durchaus von erheblichem Nutzen). Nach einem kurzen Zwischenstopp in Bregana erreichten wir schließlich die Grenze nach Slowenien. Dort vermissten wir dann den Tankdeckel des Weigart. Nachdem wir endlich einen IVECO-Händler gefunden hatten, der uns so ein Ding verkauft hat konnte es weitergehen. Leider erwies sich auch die Haltbarkeit des neuen Tankdeckels nicht als übermäßig. In Österreich war er schon wieder abhanden gekommen. Ein netter LKW-Fahrer versorgte uns mit Kabelbindern, damit wir die Tanköffnung notdürftig mit einer Plastiktüte verschließen konnten. In Salzburg trafen wir uns mit Doraja von "Bauern helfen Bauern". Diese bestätigte im großen und ganzen unsere Eindrücke von Zeravac und Prijedor. Auch sie war der Meinung, dass die Caritas in Zeravac mit den Mengen an Hilfsgütern überfordert ist, auch wenn die Materialien vom letzten Transport in weniger als einem Monat verteilt wurden. Bezüglich möglicher Hilfslieferungen nach Prijedor stellt sich das Problem der Deklaration, da dort keine anerkannte Hilfsorganisation vor Ort tätig ist. Doraja bot uns an, den nächsten Transport mit ihr und der SFOR durchzuführen, da so keine Deklaration notwendig ist. Vorteil: Von den Formalitäten her ist dies der unkomplizierteste und sicherste Weg, außerdem erschließen sich neue Kontakte. Nachteil: Für so eine Aktion müssen wir mindestens eine Woche einkalkulieren. Zweite Möglichkeit: Fra Anto soll die Papiere für Prijedor unterschreiben. Als landesweit tätige Organisation dürfte dies kein Problem sein. Nachteil: Die Kroaten sind auf die Muslimen nicht gut zu sprechen, so ist fraglich, ob er sich dazu bereit erklärt. Doraja berichtete uns auch über die neuesten Entwicklungen in Jakes. Sie hat mit der Organisation Bethel Kontakt aufgenommen. Die sind wohl sehr interessiert daran, hier Hilfe in großem Umfang zu leisten. Noch ist die Finanzierung nicht klar. Angedacht ist aber eine Anschubfinanzierung in Höhe von ca. 2 Mio. DM um Jakes wieder voll lauffähig zu machen. Auch soll ein Projektleiter für ein Jahr dort stationiert werden. Wenn das klappt, ist Jakes auf absehbare Zeit aus dem Schneider. Des weiteren hat Doraja das Problem mit Andres LKW auf ihre Kappe genommen und die Reparaturkosten beglichen. Sie war von der ganzen Art dieser Aktion nicht besonders begeistert. Nach 1 _ Stunden machten wir uns wieder auf den Weg und kamen schließlich um ca. 20:00 Uhr in München an. Ausgangsort ein. Die Fahrzeuge standen am Montag ihren Besitzern wieder pünktlich zur Verfügung.