Bericht vom 28. TSW Transport vom 09.04 - 13.04.1998

 
   
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  Bereits ein Wochenende vor Abfahrt in München übernahmen wir zwei LKW in Salzburg , die uns von der dortigen Organisation „Bauern helfen Bauern“ zur Verfügung gestellt wurden. Mit diesen Fahrzeugen konnten in den darauffolgenden Tagen verschiedene Abholfahrten durchgeführt werden. Ein LKW wurde in Berlin mit Hilfsgütern beladen. Am Donnerstag abend starteten wir dann planmäßig mit 8 Fahrzeugen in München. Diesmal konnte erfreulicherweise wieder eine beachtliche Menge an dringend benötigten Lebensmittel (u.a. 8 to Kartoffel sowie mehrere Paletten Kindernahrung) nach Slavonski-Brod transportiert werden. Zusammen mit einem Teil der Berliner TSW-Gruppe begleitete uns diesmal Herr Dembowski vom Solidaritätsdienst International „SODI“ mit seinem Privat-Pkw, um sich ein Bild vor Ort von der Lage in und um Slavonski-Brod zu machen. Diese Hilfsorganisation hatte uns wiederholt Spendenmaterial aus Berlin für unsere Transporte zur Verfügung gestellt. Die Fahrt verlief, bis auf einen kleinen Defekt an einem Fahrzeug, der zu einer Verzögerung von ca. einer Stunde führte, ohne weitere nennenswerte Zwischenfälle. Nach Eintreffen in Slavonski-Brod wurde noch in der Nacht zum Samstag zügig entladen. Den Karsamstag nutzten wir wie schon so oft zu einer Informationsfahrt in Richtung Bosnien. Nach der Überfahrt mit der Fähre über die Save, die wir in der Vergangenheit schon oft benutzt hatten, trafen wir nach kurzer Fahrt in Odzak ein, das nach wie vor vom Krieg gezeichnet ist, stellenweise jedoch bescheidenen Aufschwung vermuten läßt. Hier scheinen doch einige Menschen zurückgekehrt zu sein, da an verschiedenen Häusern diverse Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden. Unser Ziel in Odzak war diesmal jedoch das hiesige Krankenhaus, in dem die medizinische Versorgung allen Angaben nach sehr schlecht sein soll. Das Gebäude hinterläßt auf jeden Fall einen entsprechenden Eindruck. Im Hof stehen drei Sanitätsfahrzeuge, die sich in einem sehr desolatem Zustand befinden und ohne umfangreiche Reparaturen wohl kaum mehr einsatzfähig sein werden. Ein Gespräch mit dem anwesenden Pater Don Philippe bestätigten all diese Eindrücke. Nach unserem Besuch in Odzak führte uns unser weiterer Weg zu einem Heim für geistig Behinderte in Jakes. Die Anlage befindet sich in der Republik Srbska inmitten vom Krieg zerstörter Dörfer. Uns war es möglich, die Anlage zu besichtigen, obwohl sich die Verständigung mit dem Personal aufgrund sprachlicher Diskrepanzen sehr schwierig gestaltete. Obwohl einige Gebäude einen verhältnismäßig guten Eindruck machen, hieß es, es wären so gut wie keine Geldmittel vorhanden, um den Insassen ein menschenwürdiges Leben zu gewährleisten. Informationen zufolge handelte es sich bei dieser Klinik, die jetzt eher den Eindruck einer Verwahranstalt macht, vor dem Bürgerkrieg um eine Vorzeige-Einrichtung dieser Art. Angeblich sei die eher einseitige Ernährung der Leute in bescheidenem Maße gesichert, doch man wäre nur durch Spenden in der Lage, den Klinikbetrieb überhaupt aufrecht zu erhalten. Das Personal hätte schon seit Monaten kein Gehalt mehr ausbezahlt bekommen. Viele der sehr ärmlich gekleideten Heimbewohner begrüßte uns trotz allem sehr herzlich und verbargen ihre Freude über den seltenen Besuch nicht. Es bleibt zu wünschen, daß es uns gelingt, auch dieser Einrichtung unsere Hilfe zukommen zu lassen. Wie wir nachträglich erfuhren, wurde das Heim von Zdravko in den darauffolgenden Tagen mit einem Teil der von uns gelieferten Lebensmittel versorgt. Wieder zurück in Slavonski-Brod verbrachten wir einen gemütlichen Abend im Centar. Zuvor ermöglichte uns die jetzt zu jedem Zeitpunkt passierbare Brücke über die Save einen abendlichen Spaziergang durch Bosanski (Srbska) Brod. Die Stadt ist im Gegensatz zu Slavonski-Brod völlig unbeleuchtet und menschenleer. Es hat sich hier in letzter Zeit so gut wie nichts verändert, große Teile der Stadt sind nach wie vor zerstört und unbewohnt. Bei einem zweiten Besuch einer Gruppe kam es dann allerdings zu Schwierigkeiten am Grenzübergang. Die serbischen Grenzposten verlangten ohne Angabe von Gründen Geld. Erst mit Unterstützung der SFOR gelang es, eine Einigung über eine bedeutend kleinere Summe zu erzielen. Auch in der Vergangenheit waren diese Probleme an der Brücke schon aufgetaucht. Hierbei hatte es sich jedoch immer um Grenzübertritte mit Fahrzeugen gehandelt und die Gebühr wurde als Versicherungsprämie deklariert. Tatsächlich scheinen unsere Haftpflichtversicherungen in Bosnien nicht zu greifen, da aber die Gebühren nicht regelmäßig und in unterschiedlicher Höhe erhoben werden, deutet vieles auf Willkür der Grenzorgane hin. Vor allem aber erhebt wohl kein Staat Versicherungszwang für Fußgänger. Den Ostersonntag verbrachten wir ähnlich wie im Vorjahr etwas außerhalb der Stadt gemütlich auf der grünen Wiese mit den Leuten vom Omladinski Evandeoski Centar. Am Abend dieses Tages fand noch ein Gespräch mit den Leuten vom Centar über die Zukunft unserer Arbeit und anderweitig geplante Projekte statt. Da die Not der Bevölkerung in Bosnien noch bedeutend größer als in Kroatien ist (auch hier geht es jedoch noch vielen Menschen sehr schlecht), scheint es längerfristig sinnvoll zu sein, ein Fahrzeug bzw. einen Teil des Konvois direkt in dieses Gebiet zu fahren. Hierzu müßten jedoch noch einige zolltechnische und logistische Probleme erörtert werden. In den frühen Morgenstunden des Ostermontages brach dann der erste Teil der Gruppe zur Heimfahrt auf. Auf der Rückreise trat wieder ein kleines technisches Problem auf, das aber ebenfalls an Ort und Stelle behoben werden konnte. In Salzburg hatten wir dann bei der Rückgabe der österreichischen Fahrzeuge noch Gelegenheit, ein Gespräch mit der Organisation „Bauern helfen Bauern“ zu führen. Spät nachts trafen dann, nach einem völlig überraschenden Wintereinbruch auf dem letzten Abschnitt der Fahrt zwischen Salzburg und München, wieder alle Mitarbeiter und Fahrzeuge wohlbehalten in München ein. Somit wurde der 28. TSW-Transport erfolgreich beendet. Christoph Pongratz (TSW Mitarbeiter)